Endlich: die erste Aussenlandung!

In unserer Reihe “Flugberichte aller Art” gibt es einen neuen Beitrag, den mir Amir Treschau heute gemailt hat. Viel Spaß!

Endlich: die erste Aussenlandung!

Sonntag, 24. August, nach einem knappen Monat endlich wieder einmal Segelfliegen. Allerdings, der Tag begann schon nicht eben vielversprechend und mit einigen Hindernissen: Der Cirrus, am Aufbauplatz aus dem Hänger gezogen, hatte eine abgebrochene Staudruckdüse. Einräumen und wieder zurückbringen. Wir ziehen den aufgebauten zweiten Astir, die D-4262, aus der Halle. Der Flieger hat, das merke ich erst beim Check am Start, kein Funkgerät. Ich mache wohl ein ziemlich langes Gesicht und helfe mir mit dem ICOM aus dem Emil 4 aus. Die Wetterlage tat wie so oft, nicht das, was die Prognose von ihr erwartete. Die Basis, launisch und zickig: morgendliche sc und niedrige cu, anstelle sich durch markante westliche Winde und Sonneneinstrahlung, so wie sich das gehören würde, in 4-6/8 cu zu verwandeln, steigt zwar um die Mittagszeit von „ziemlich niedrig“ auf ca. 900 m ü Platz. Allerdings zeigt sich der Fliegerhimmel rundherum, vor allem im besser vorausgesagten NW und N, ziemlich verschlossen: Bedeckungsgrad so ungefähr bei 7-8/8.

Einzig in unmittelbarer Platzumgebung und Richtung Nürnberg lockerte sich die Bewölkung auf und gab der Sonne eine reelle Chance zur Produktion verwertbarer Aufwinde. Das bemerkte auch die Phalanx der Hersbrucker Streckencracks, die gemeinsam von einem kurzen Ausflug nach SO wieder Richtung Platz zurückkehrten.

Über Happurg ging es dann mit ordentlichem Steigen um 2 1/2 m hinauf. Ich flog hin und stieg unten mit ein. Unter der Basis angekommen sah ich sah meine Fliegerkameraden nach N abfliegen und dachte mir: nichts. Na, vermutlich dachte ich zumindest, „die werden wissen, was sie tun“, flieg doch einfach hinterher. Geschlossene Bewölkung bis auf etwas Sonne, vermutlich am Veldensteiner Forst. Ob ich mir diesen weiten Gleitflug noch antun möchte? Das könnte knapp werden. Farshad, der ebenso hinterherflog, dreht zwischen Vorra und Velden um, fliegt zurück. Ich denke auch diesmal: „der wird wissen, was er tut“, die Höhe müsste doch zum Heimgleiten ausreichen, drehe um. Auf der Hochebene querab Vorra, fliege ich durch leichtes Steigen. Ein kurzer Gedanke „Weiter nach Hause oder basteln“. Unter mir liegt ein nahezu idealer Acker, freier Anflug, mehr als ausreichend Platz. Ich drehe ein, versuche in Achtern das Steigen knapp in Lee meines Landeackers über einem langgezogenen baumbestandenen Hügel zu finden. Nach vielleicht 5 Minuten wird klar, da kommt netto kein Steigen mehr zustande. Jetzt ist sie da, die Aussenlandung, unausweichlich. Irgendwie ist einem als Umsteiger bzw. Einsteiger schon klar, das Aussenlanden einfach dazugehört, das hatte ich bei meinen Flügen bislang immer gewusst. Aber Wissen und Tun sind einfach nicht ein und das Selbe. Also, im Queranflug das Rad heraus, reichlich Fahrt für das Eindrehen ins recht kurze Endteil, die restliche Höhe mit einem kurzen Slip und Bremsen über einem Maisfeld Höhe abbauen, Aufsetzpunkt am Anfang des Ackers anpeilen. Der Astir schwebt doch ein wenig länger als gedacht, das Gelände ist leicht abschüssig. Das Aufsetzen fühlt sich fast so an wie sonst auch auf Gras, rollen, ich habe noch reichlich Platz, ich lege die Fläche ab und stehe. Einen kurzen Augenblick noch bleibe ich sitze und atme tief durch, dann öffne ich die Haube und steige aus.
Gunther sieht mich, er funkt mich an, sagt am Platz Bescheid. Ich rufe in Hersbruck an, merke, wie mir die Hände leicht zittern.

Ich sehe mich um un entdecke die Ursache meiner Hoffnung, doch noch Höhe zu machen: Der Wind bläßt am Boden durch ein flaches Tal fast rechtwinklig auf die bewaldete Hügelkuppe. Voila, da war es, mein Steigen: böiger Hangaufwind, allenfalls durchsetzt mit etwas Thermik.

Farshad, Daniela, seine Frau und Lukas sind bereits nach einer Stunde später bei mir. Herzlichen Dank noch mal! Zusammen mit dem Bauer und dessen Familie, deren Acker ich kurzerhand umgewidmet hatte, ziehen wir den Astir zum Hänger und bauen ab. Allenthalben eine sehr freundliche Stimmung, nur, meine Aufregung hatte sich noch nicht ganz gelegt. Dennoch war ich fast froh und erleichtert darüber, diese Erfahrung jetzt schon einmal gemacht zu haben.

Resümee: Die Entscheidung, beim Vorhandensein einer sehr gut erscheinenden Aussenlandemöglichkeit auch in niedriger Höhe noch zu basteln, halte ich für grundsätzlich korrekt.
Fehlerhaft war, wenn man so will, die Entscheidung für den Umkehrkurs zum Platz so spät zu treffen, das man, Farshad ist dies dann so ergangen, recht niedrig ankommt. Gerade über dem welligen Relief der Fränkischen Alb macht der kräftige Westwind mit seinen Lees wirklich keine große Freude.
Meine wichtigste Erfahrung aber glaube ich, ist: Treffe eigene Entscheidungen vor dem Hintergrund des eigenen Flugkönnens, der Tagesform, vor den selbst erlebten meteorologischen Bedingungen, vor den Leistungen deines Flugzeugs. Andere treffen diese Entscheidungen vor ihrem Hintergrund, dass hierbei die Schnittmenge mit meinen Parametern sehr klein sein kann, wird mir nach einem solchen Erlebnis erst so richtig klar.

Der Abflug von Happurg nach Norden
Der Abflug von Happurg nach Norden verrät nichts gutes über den Himmel voraus. Wenn man genau hinsieht, erkennt man die anderen Hersbrucker Segelflieger auf ihrem Weg in die Sonne.

Daniela, Farshad und Lukas vor dem Abbauen auf dem Acker
Daniela, Farshad und Lukas vor dem Abbauen auf dem Acker

Eine Reaktion zu “Endlich: die erste Aussenlandung!”

  1. Arne

    Nicht schlecht, das erfordert wohl schon etwas Können. Vielen Dank für den den tollen Beitrag, würde auch gerne mal mit dem Fliegen anfangen, denn hier bekommt man richtig Lust

Einen Kommentar schreiben