Alles Banane oder was?!

Eine Fortsetzung aus der Reihe “Wir Segelflieger lernen unsere fränkische Heimat kennen” von Amir Treschau:
Samstag, 23.05., einzelne flache Cummuli am fränkischen Himmel, der Wind umlaufend, wir schieben um kurz nach elf unsere Flieger zum Start nach Osten. Peter, Stefan Gunther, dann bin ich an der Reihe.
1. Versuch, der Schlepp geht so in 350m mitten durch einen ordentlichen Bart am Michelsberg, ich bleibe hängen bis Hohenstadt, ausklinken in ca. 600m…. und zurück zum Platz geht¹s mit leicht vermindertem Eigensinken. Die Stille im Cockpit wird nur gelegentlich durch einen derben Fluch unterbrochen.
2. Versuch, jetzt ist es bereits nach halb eins, diesmal, der Meister wird gedacht haben, ich spinne, ignoriere ich wieder hartnäckig gutes Steigen an oben genannter Stelle, lasse mich auf gut 800m schleppen. Und, voila, es kann losgehen. Vorbei an Lillinghof, dem Walberla, über den Feuerstein auf Nordkurs. Der Weg ist gut gezeichnet, ich finde eine tragende Linie bis Coburg. Von dort aus steigt die Basis, die ich allerdings nicht allzu oft erreiche, auf ca. 1850m msl über dem Thüringer Wald. Gunther meldet seine Wende bei Suhl, Stefan fliegt bis zur Wartburg.
Mittlerweile hungrig geworden, auch der segelnde Mensch lebt nicht nur von aufsteigender Luft und Liebe, greife ich zu einer Banane. An dieser Stelle will ich vorausschicken, dass ich zu Hause immer ordentlich den Müll trenne und ich mich auch in weitaus weniger essentiellen Belangen des bürgerlichen Lebens für einen gesetzeskonformen Menschen halte. Und da der Segelflug ja ohnehin eine ziemlich saubere Sache ist, wir lassen ja gelegentlich nur etwas Wasser ab, denke ich mir, so eine Biobananenschale wird doch ganz sicher nicht das ökologische Gleichgewicht des Thüringer Waldes ins Wanken bringen, also raus damit. Leider bekam ich im Anschluss keine Gelegenheit, diese These wissenschaftlich zu verifizieren. Unmittelbar nach dem Rauswurf nämlich durch ein penetrant-hochfrequentes “Tac-Tac-Tac …” aufgeschreckt nach hinten blickend, entdecke ich meine Schale, wie sie sich in perfektem Formschluss um die Profilnase an die Flächenwurzel schmiegt. Es folgen eine Reihe von Flugfiguren, die an die verzweifelten Bemühungen eines Rodeopferdes erinnern, welches danach trachtet, sich seiner unliebsamen Reiterschaft zu entledigen. Gebracht hat das außer einem deftigen Höhenverlust freilich nix. Gut - fliegste halt einfach weiter, was denn auch sonst. Außerdem: Individualität ist doch heutzutage Pflicht - oder, um es im Idiom zeitgemäßer Jugendkultur auszudrücken “Pimp your Sailplane” - gegen langweilige weiße Kunststofftristesse … Weiter flogen wir, d.h. die Bananenschale, der Cirrus und ich nach Suhl, wo wir wendeten und halbwegs flott zurück zum Fichtelgebirge segelten. Dort, kurz vor halb fünf im Südwesten angekommen, entschied ich mich, nicht mehr wie Reinhard vor mir Grafenwöhr im Osten zu umrunden, sondern den direkten Heimweg nach Hersbruck anzutreten. Mittlerweile war vor mir im gesamten Süden der Himmel abgetrocknet. Südöstlich Bayreuth konnte ich noch mal auf knapp 1200m über Platz steigen und flog mit meiner Bananenschale weiter in Richtung Veldensteiner Forst. Auf dem Weg dorthin lokalisierte ich zwar zielsicher länger anhaltendes Saufen von 2 - 3 Metern, allerdings ohne dafür das zugehörige Steigen zu finden. Der Boden kam unaufhaltsam näher und so war das Spiel um Punkt fünf Uhr 31,4 km vor Hersbruck auf einem Acker westlich Pegnitz zu Ende.
Nette Gesellschaft von 1 Motorradfahrer, 2 Pferden, 5 Kindern nebst Eltern vertrieb mir bis zur Ankunft von Tanja und Lukas die Zeit. Abbauen, in Pegnitz Eis essen und um acht Uhr wieder am Platz eintreffen rundeten meinen Flugtag mit 250 km und einem 60iger Schnitt in angenehmer Weise ab.
Ach ja, die Bananenschale: So hartnäckig sie sich auch über gut zwei Stunden hielt, verabschiedete sie sich wohl im Anflug bei gezogenen Bremsen. Übrig blieben nur einige Fasern, die ich Lukas am Flächenklebeband zeigen konnte.
Epilog: Wenn der Cirrus mit Dekoration immer noch gut fliegt, meint ihr dann nicht auch, dass es die Jungs von der “Rennfraktion” mit ihren Fliegenputzern etwas übertreiben?!
Amir Treschau