Eine Außenlandung…
Und hiermit eröffnen wir die neue Kategorie “Flugberichte”, eine schon lange geplante Rubrik. Natürlich hat unser mutigster Streckenflieger - Horst Rügamer die Ehre, die erste Geschichte zu veröffentlichen:
Eine Außenlandung
“Als Spatzflieger habe ich reiche Erfahrung mit Außenlandungen. Besonders das Gebiet zwischen Fichtelgebirge und dem Pegnitzer Flugplatz gilt als das Bermudadreieck schlechthin.
Von guter Thermik über dem Franken- und Thüringerwald verwöhnt, trete ich den Heimflug nach Hersbruck an. In Pegnitz hat Christine Küchendienst, bis dorthin werde ich es schon schaffen. Etwa 12 km vor Pegnitz ist das Spiel zu Ende und eine Rückkehr nach Bayreuth auch nicht mehr möglich. Endanflug über ein kleines Dorf, das typische Spatzenpfeifen schreckt einige Bewohner auf – Landung in der Nähe eines Traktors mit Fahrer. Kaum hatte ich den Spatz verlassen, waren schon so 10 Hilfswillige da. Eine nette Dame lädt mich zu Kaffee und Kuchen ein. Tags zuvor hätte man Geburtstag gefeiert, da wäre noch etwas da. Ein Handy bekam ich auch gleich, (meines hatte ich vergessen) ich müsse doch wo anrufen. Da mir moderne Geräte nicht geläufig sind, tippe ich nur die Nummer ein. Den Anruf und die Landemeldung übernehmen die Gastgeber. Wir sitzen in einem großen Nutzgarten, ich beantworte Fragen zum Segelfliegen, dann schwenkt das Thema zur Musik. Die Bayreuther Festspiele werden kommentiert und die Sopranistinnen Anna Netrebko, Elina Garanca und Co. ausgiebig gewürdigt.
Dann setzt der Hausherr die unterbrochene Kartoffelernte fort und ich bekomme eine professionelle Führung durch den Garten.
Auffällig ist, dass es keine Schnecken gibt, die es mangels Bausparvertrag zu keinem Eigenheim gebracht haben. Auch zu diesem Thema gibt es eine Antwort: Japanische Laufenten. Die könne man ausleihen oder sich Eier schicken lassen, um sie dann vom heimischen Federvieh ausbrüten zu lassen. Näheres: www.laufenten.de. Da immer noch Zeit ist bis die Rückholmannschaft eintrifft mache ich mich irgendwie nützlich. Zum Schluss sortiere ich die frisch geernteten Kartoffeln in zwei Körbe: große und kleine.
Dabei fällt mir ein, dass einst ein Beamter vor der gleichen Aufgabe stand und am Abend immer noch vor dem ganzen Berg saß. Nach dem Grund gefragt warum er noch nichts getan hätte: Immer diese schweren Entscheidungen. Bis zum Eintreffen der Rückholer hatte ich meine Aufgabe gelöst. Ich bin zwar auch „Einer“, aber kein typischer. Auf der Rückfahrt halten wir noch bei den netten Gastgebern um uns zu verabschieden. Für sie war es sicher eine willkommene Abwechslung und für uns ein fliegerisches Erlebnis. Und zuletzt: Bei Christine gab’s noch eine fränkische Brotzeit.”
Horst Rügamer
Im “Bermudadreieck”. Ein Hundertjähriger mit Sohn (80) sehen das erste Mal im Leben ein Flugzeug aus der Nähe.
Am 31. März 2008 um 23:06 Uhr
Tja, das ist das besondere an unserem Horst: Wenn man kommt, um ihn mitsamt dem Spatz zurückzuholen, versteht er sich mit der örtlichen Bevölkerung schon so gut, dass die ihn garnicht mehr gehen lassen wollen.