Bekenntnis zum Segelfliegen

Blick aus dem ASTIR-Cockpit Richtung Hersbruck

Ein Bekenntnis zum Segelfliegen von Amir Treschau:

Tja, viele Segelfliegern werden es vielleicht nicht so recht verstehen: Erst findet man reichlich spät, nach dem Motor- und Gleitschirmfliegen zum Segelflug, genießt einige wirklich schöne Flüge. Dann vergeht klammheimlich ein Jahr ums andere, in dem man in keinem Segelflugzeug mehr saß. Und so glaubte man allmählich nicht mehr daran, nochmals in diesem wunderschönen Sport Fuß zu fassen. Wäre da nicht der Ferdinand und sein Vater gewesen, die ich in Rückersdorf immer wieder getroffen habe. Die hatten für meine freiwillige Abstinenz vom Segelfliegen so gar kein Verständnis und luden mich mehrfach zu einem Besuch in Hersbruck am Platz ein. In die gleiche Kerbe schlug der Exil-Rückersdorfer Robert Lindner. Als ich den Stefan im Februar anlässlich eines Konzerts wieder getroffen habe, dachte ich mir nur “Au weia, diesmal nicht schon wieder ein - Na klar, bestimmt, ich komm schon mal -, ich trete am besten gleich dem Verein bei, dann gibt´s kein hin und her mehr .

Bereut habe ich das bis jetzt keine Sekunde. Ich wurde von allen herzlich und kameradschaftlich aufgenommen. Dass ich nicht ganz so oft am Platz sein kann, wie ich das selbst gerne sein würde, bitte ich mir aus familiären Gründen nachzusehen (wir verwalten einen “Flohzirkus” aus demnächst drei Kindern und drei Hunden ..).

Fliegerisch konnte ich auch bereits einige wirklich schöne Erfahrungen sammeln, das beeindruckenste Erlebnis war sicherlich der letzte Windenstart mit dem Schulastir am Sonntag, dem 08.Juni. Nach einem sehr labilen Tag, es standen den ganzen Tag rund um den Platz Gewitter, beruhigte sich abends das Wetter. Ich wollte mich, froh, vom “Meister” eingewiesen und zum Solofliegen “entlassen” worden zu sein, gerne noch einen letzten Start an der Winde machen. Dass die Luft um halb sieben Uhr tot zu sein schien, störte mich in meiner neuen Begeisterung nicht. Nach dem Ausklinken ging es erwartungsgemäß erst einmal abwärts, bis ich unvermutet nahe bei der Fa. Fackelmann ein für die Verhältnisse erstaunlich turbulente Stelle fand, an der ich zunächst Höhe halten, mit sehr viel Bastelarbeit allmählich sogar etwas steigen konnte. So kurbelte ich langsam wieder auf gut 400 m über Platz und wagte es jetzt, die Luftmasse etwas großräumiger anzutesten. Ich flog ein Stück in NNO-Richtung über den Platz und erlebte, wie sich der wohl vermeintliche Bart, ruppig und recht zerrissen, zu einer butterweichen Linie wandelte, an der ich bis weit über den Platz hinaus und wieder zurück fliegen konnte. So stieg ich mit 0,5-0,8 m/s bis knapp 700 m über dem Platz. Hier konnte man nur mehr noch Höhe halten. Beim Rückflug nach SSW schätzte ich meine Grundgeschwindigkeit auf max. 20 km/h schneller ein als beim Flug in umgekehrte Richtung. An Bäumen war auch vorher keine nennenswerte Luftbewegung zu erkennen. Während ich flog und letztlich nach knapp 1 1/4 h zum Einhallen hinunterbeordert wurde, überlegte ich ständig, welchem meteorologischem Phänomen ich diese Flug wohl zu verdanken habe.
Mir fiel zunächst eigentlich nur eine Konvergenzströmung ein, wogegen aber spricht, dass aufgrund der faktischen Windstille am Boden irgendwo eine signifikante horizontale Windscherung durchflogen hätte werden müssen. Dies hätte ich aber beim Durchflug großflächig als Turbulenz wahrnehmen müssen.
Meine zweite Idee, die im nachhinein von Stefan gestützt wurde, ist die der Leewelle. Dazu passt auch der turbulente Rotoreinstieg. Ja, genau so hatte ich das vor einigen Jahren in Südfrankreich auch schon erlebt, und dann plötzlich die Stille, wenn man im permanenten Steigen die Welle entlang fliegt. Passen würden sicher auch die orographischen Voraussetzungen im Norden des Platzes, was allerdings zumindest laut Lehrbuch überhaupt nicht passt, ist der geringe Windgradient. Und den habe ich wie oben schon beschrieben selbst erlebt.

Sei´s drum, es war ein wunderbarer Flug nach all den Jahren, ich freue mich schon riesig auf weitere Erlebnisse rund ums Segelfliegen und angenehme Stunden mit meinen neuen Vereinskameraden.

Euer Amir Treschau

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